Mein Vater Karl Troschke war lange Jahre bei der Oderbruchbahn beschäftigt. Im Februar 1945 fuhr er mit der Kleinbahn nach Kienitz, wo ihn die Russen schon in Empfang nahmen, dann aber wieder nach Hause schickten. Wir, meine Familie und noch drei Geschwister, verließen danach Genschmar.
Mein Vater fuhr als Lokführer die Tour Sachsendorf- Fürstenwalde. Er nahm uns einfach im Personenwagen mit. Er wurde für uns als Schlafmöglichkeit umgebaut. Mein Vater legte Bretter zwischen die Bänke, und so schliefen wir darauf. Ein Packwagen wurde als Kochgelegenheit mit einem Eisenofen auf ein Abstellgleis abgestellt. Als in Dolgelin die Front immer näher rückte, nahm uns Vater bis Steinhöfel mit, wo wir dann einige Wochen waren. Mein Vater fuhr von Sachsendorf noch Zucker bis Fürstenwalde. In Steinhöfel waren wir dann aber auch nicht mehr sicher. So nahm unser Vater uns mit bis vor Fürstenwalde. Dort war Fliegeralarm. Wir mußten uns aus dem Zug entfernen, weil die Bahnstrecke bombardiert wurde.
So konnten wir nicht mehr in unsere geliebte Kleinbahn einsteigen, weil die Schienen fast kaputt waren. Wir sind dann mit einer Handdraisine bis Berlin- Görliizer Bahnhof mit unseren wenigen Habseligkeiten gefahren. In Berlin haben wir dann das Kriegsende miterlebt. Zu Fuß waren wir dann Pfingsten 1945 wieder in Genschmar gelandet
Hildegard Rocker, Genschmar